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Schnell, sportlich, und erfolgreich: 505er (Foto © Vailet Svahn / WM-Malmö www.mss.m.se/505web/) |
Obwohl Hunger/ Jess eigentlich angetreten waren, den begehrten Preis zum
sechsten Mal zu gewinnen und damit einen Rekord zu brechen, waren sie am Ende doch froh
darüber, mit dem zweiten Rang wieder einmal diverse olympische Kadersegler auf die Plätze
verwiesen zu haben. Orthopäde Dr. Hunger (Potsdamer Yachtclub) und Bootshändler Jess (Wassersportclub Wittensee) hätten theoretisch gleich mehrmals an den Start gehen dürfen, denn sie errangen in diesem Jahr nicht nur die deutsche Meisterschaft, sondern auch die Weltmeisterschaft in der wohl bedeutendsten nichtolympischen Jollenklasse. Auf dem Öresund vor Malmö setzten sie sich bei trickreichen Windbedingungen und starkem Strom gegen den fünfmaligen Weltmeister Krister Bergström aus Schweden und die 18-Footer Champions Howard Hamlin und Peter Alarie aus den USA durch. Damit wiederholten die beiden ihren Erfolg von 2001. Vorschoter Jess: „Der zweite WM-Titel ist für uns fast noch wichtiger als der erste. Jetzt konnten wir zeigen, dass der erste Sieg keine Eintagsfliege war.“
Unterstützt wurde der WM-Erfolg von einem insgesamt sensationell starken deutschen
Aufgebot. Auf den Plätzen demonstrierten die Boote Kellner/ Stammerjohann (Fünfte),
Lehmann/Schöler (Siebte), Köchlin/Priegann (Achte) und Görge/ Görge (Elfte), dass an den
deutschen 505-Seglern weltweit kein Weg mehr vorbei führt. Diese Crews haben über ihre
erfreulichen Platzierungen hinaus auch einen direkten Anteil am WM-Erfolg von Hunger/Jess,
denn im Jollensegeln gibt es keine Rundenzeiten und keine Geschwindigkeitsmessung. Die
Bedingungen variieren jeden Tag. Entscheidend für den Optimierungsprozess, bei dem das
letzte Quäntchen Speed aus den Jollen gekitzelt wird, ist der regelmäßige direkte Vergleich
auf dem Wasser – Boot gegen Boot. Bis zur WM im Juli hatten die Cracks nicht nur im
Training, sondern auch auf großen deutschen Regatten an der Vorbereitung gefeilt.
Bei der Kieler Woche Mitte Juni mussten sich die späteren Weltmeister noch dem Team
Lehmann/Schöler geschlagen geben. Zur deutschen Meisterschaft im Rahmen der
Warnemünder Woche hatten Wolfgang Hunger und Holger Jess diese Lektion verarbeitet und
zeigten der Konkurrenz mit vier ersten und einem dritten Platz klar das Heck.
Der Erfolg der deutschen „Fiven“ kommt jedoch nicht nur aus der Spitze, sondern auch aus der
Breite. Die 505er gehören zu den aktivsten deutschen Jollenklassen. In Zeiten allgemein
rückläufiger Regattaaktivität verzeichnen sie bereits seit zehn Jahren jeweils rund 100 Boote
in der Rangliste – dazu müssen mindestens drei relevante Regattaserien bestritten werden.
Für die Attraktivität der Klasse gibt es viele Gründe. Die Boote haben exzellente
Segeleigenschaften. Mit ihnen macht das Segeln einfach Spass. Trotz enormen
Geschwindigkeitspotenzials gilt die „Five“ unter Regattaseglern als relativ gutmütig. Sie bietet
damit die Möglichkeit, auch ohne professionellen Trainingsaufwand eine sehr schnelle,
dynamische Jolle zu segeln. Da das Boot sehr sensibel auf die zahlreichen Trimmverstellungen
anspricht, bekommt der Segler ein deutliches Feedback auf seine
Trimmversuche, das Segeln des Bootes bleibt immer abwechslungs- und lehrreich. Außerdem
können erwachsene, im Berufsleben stehende Segler ihre zwangsläufig geringere
Trainingsintensität durch Erfahrung wettmachen.
Flächendeckendes Regatta-Angebot
Durch die Zahl der Aktiven gibt es ein flächendeckendes Regattaangebot. Das hohe Niveau
von Boot und Seglern lockt stets neue Interessenten. Spitzensegler ziehen weitere
Spitzensegler an, aber auch engagierte Freizeitsegler kommen nicht zu kurz. Auf Regatten, bei
Trainings oder über die Website www.int505.de geben die Champions ihre Tricks und Kniffe
an den Nachwuchs weiter. Dank des Torstartverfahrens lassen sich auch mit sehr großen
Feldern gerechte Wettfahrten abhalten. Meldebeschränkungen sind kein Thema.
Wer sich diesen Winter einen gebrauchten 505er kauft und fleißig trainiert, kann sicher sein, im
nächsten Jahr dabei sein zu dürfen: Beim Volvo Young European Sailing, bei der Kieler, der
Travemünder und der Warnemünder Woche, bei der Europameisterschaft in Pula (Kroatien)
und bei der Weltmeisterschaft in Santa Cruz, Kalifornien.
Dort wird ein Neueinsteiger ganz besonders im Rampenlicht stehen: der erst vierzehnjährige amerikanische Ausnahmesegler Samuel „Shark“ Khan, der nach Erfolgen im Opti und im 29er in diesem Jahr sensationell den WM-Titel in dem schnellen Kielboot Melges24 errang. Er will sich die 505er WM vor seiner Haustür auf keinen Fall entgehen lassen und trainiert bereits vor Hawaii. Wie schon in der Melges24 will Vater Philippe Khan seinen Sohn auch in der „Five“ vor sich her jagen. Wie man hört, hat er bereits bei den Weltmeistern Hunger/ Jess nach einem Boot und gemeinsamem Training angefragt.
Nicht alle deutschen Fivensegler werden sich den logistischen Aufwand der WM in Kalifornien
erlauben können, denn als Amateure bezahlen sie ihren Sport aus eigener Tasche. Auch für
diese Segler liegt aber das nächste große Highlight schon in Reichweite: die Weltmeisterschaft
2005 wird vor Warnemünde, auf dem möglichen Olympiarevier von 2012 ausgetragen. Mit
Blick auf dieses Ereignis werden erste regionale Trainingsgruppen in diesem Winter ihre Arbeit
aufnehmen, unter anderem in der Hauptstadt Berlin, wo nach einer Schwächephase mit jetzt
wieder fünfzehn Booten bei den Landesmeisterschaften neuer Schwung in die Klasse zu
kommen scheint.
Lesen Sie dazu unter anderem:
Die informative website der Klassenvereinigung der 505er:


