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Arbeitsplatz für die Segler des UIT Germany, das Deck des deutschen AC Cupper GER , ex GBR. (Foto © Jo Achim Geschke/ www.segelfotos-und-meer.de) |
„Wir sind im Zeitplan“, signalisiert der technische Direktor im United Internet Team Germany, Eberhard Magg aus Kressbronn, „im Frühjahr kann die
Yacht getestet werden.“ Bis dahin hat seine Mannschaft allerdings noch alle Hände voll zu tun. In der Werfthalle am Nord-Ostsee-Kanal wird die Rumpfschale laminiert; das Deck ist schon fertig.
Zuvor hatte das zehnköpfige Designteam um den Leiter Axel Mohnhaupt (Berlin), zu dem unter anderem der renommierte Konstrukteur Fietje Judel aus Bremerhaven gehört, mit aufwändigen Computerberechnungen 70 verschiedene Rumpfformen entwickelt, aus denen die – hoffentlich – schnellsten Linien zum
Bau ausgewählt wurden. Die Münchener Firma „ISKO“ lieferte numerische Strömungssimulationen, im Fachjargon CFD (Computational Fluid Dynamics).
Diese Rumpfform wurde mit einer gigantischen Fünf-Achs-Fräse millimetergenau aus einem Stück Schaumstoff ausgefräst. Auf den Block laminierten die Bootsbauer zunächst eine Negativschale aus Karbon, in die hinein erst die endgültige Rumpfschale laminiert wurde.
„So sparen wir überflüssiges Rumpfgewicht durch Spachtelmasse“, erklärt Werftchef Gunnar Knierim, „das ist State of the Art“, ergänzt
Geschäftsführer Steffen Müller. Nach jeder Lage des pechschwarzen Kohlefasergeflechts, das in verschiedenen Dicken in wechselnden Richtungen
zueinander aufgelegt wird, kommt die Außenschale in einen überdimensionalen Ofen, wo sie „gebacken“ und damit besonders effizient ausgehärtet wird.
Derzeit wird die Mittelschicht, ein Wabengelege aus Spezialpapier, einlaminiert, bevor die Innenschicht erneut aus Kohlefaser folgt.
Anschließend kommen die Strukturen (Schotten und Kielaufhängung) in den Rumpf, die für die Festigkeit sorgen. Alles ist besonders leicht bei
maximaler Steifigkeit. Dafür sorgt die Züricher Firma „even“, die in der Formel eins des Motorsports zuhause ist.
Bis zu 22 Mann hat Knierim im Einsatz, AC-Bootsbau ist viel Handarbeit. „Das sind alle Künstler“, lobt Mohnhaupt das sorgfältige Vorgehen des
internationalen Bautrupps, dessen Ziel es ist, die Vorgaben der Konstruktionszeichnungen exakt zu erfüllen. Denn wenn sich dann niemand
verrechnet hat, soll der deutsche Cupper richtig schnell werden. Bootsdesign wäre jedoch zu einfach, stünde nicht hinter jeder Form auch ein
komplexes Gesamtkonzept, zu dem Kiel, Ruder, Mast und Segel sowie viele auch kleinere Details gehören. „Ein einigen Punkten rechnen wir noch“, so
Mohnhaupt, im Großen und Ganzen sei GER-89 jedoch geplant.
Die Vorgaben macht das 58 Seiten starke Regelwerk des America’s Cup Managements, das für den nächsten Cup nur noch Boote der sogenannten Version 5 zulässt. Sie enthält im Vergleich zum 31. AC verschärfte Eckdaten, die alle Boote ähnlicher machen. Dennoch bleibt das Design ein wohl gehütetes Geheimnis, der keiner der elf Herausforderer vom Schweizer Cupverteidiger Alinghi will sich frühzeitig in die Karten schauen lassen.
Obwohl das vorgegebene Korsett eng ist, sind die meisten technischen Daten nur ungefähre Werte. Ein America’s Cupper darf maximal 24 Tonnen und neun Kilogramm wiegen, wobei Letztere nur die Messtoleranz der Waage widerspiegeln. Je nachdem wie leicht das gesamte Boot über Wasser am Ende wird, hängen knapp 20 Tonnen als Ballast in der Kielbombe, die 4,10 Meter tief ins Wasser reicht. Der Mast, der mindestens 750 Kilogramm wiegen muss, ragt dann rund 33 Meter in die Höhe. Seine Konstruktion wird vom Germanischen Lloyd (GL) in Hamburg berechnet. Er entsteht bei den speziellen Mastenbauern von „Formula Spars“ im englischen Lymington.
„Wir erreichen einen hohen Stand der Technik“, verspricht Mohnhaupt, etwas Revolutionäres sei ohnehin nicht zu erwarten. Schon die Vorregatten im Jahr
2005, als die alten Cupper zur Version 5 umgebaut waren, hätten gezeigt, wie erstaunlich gleich schnell auch unterschiedliche Rumpfformen gesegelt seien. Indes werde sich das Modell GER-89 selbst für Laien auf den ersten Blick von der Trainingsyacht GER-72 unterscheiden.
Sobald Rumpf und Rigg (Mast mit allen Verstrebungen) fertig sind, rückt das Segeldesign in den Mittelpunkt. Konnte bis dahin alles nur theoretisch
berechnet werden, werden die ersten Tests auch zur praktischen Weiterentwicklung genutzt, um die optimale Konfiguration herauszufinden.
Auch die Segelflächen haben dabei vorgeschriebene Maße. So umfasst die Gesamtsegelfläche am Wind zirka 320 Quadratmeter, wovon das Großsegel rund 215 Quadratmeter ausmacht. Ein Spinnaker zieht die AC-Yachten auf Vorwindkurs mit einer Segelfläche von etwa 510 Quadratmetern.
Technische Daten eines America’s Cuppers:
Länge über alles: ca. 26 Meter
Breite: ca. 4 Meter
Tiefgang: 4,10 Meter
Masthöhe: ca. 33 Meter
Gesamtgewicht: max. 24 Tonnen
Kielballast: knapp 20 Tonnen
Segelfläche am Wind: ca. 320 Quadratmeter
davon Großsegel: ca. 215 Quadratmeter
Spinnaker: ca. 510 Quadratmeter
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