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Deck und Rumpf kommen zur Hochzeit zusammen. (Foto © Nico Krauss/United Internet Team Germany) |
Knisternde Spannung lag in der Luft. Passt es, oder passt es nicht? Ganz langsam hoben die Bootsbauer den „Deckel über den Topf“. „Hochzeit“ nennen sie den Moment, wenn die Deck- über die Rumpfschale gelegt wird. Und trotz illimetergenauer Computerberechnungen bleibt dabei immer ein Rest Ungewissheit. Als sich die beiden Kohlefaserteile aufeinander fügten, dass kaum eine Zeitungsseite dazwischen gepasst hätte, fiel den Technikern von Knierim und dem United Internet Team Germany ein Stein vom Herzen.
„Ich hatte überhaupt keinen Zweifel, aber erleichtert bin ich schon“, meinte der technische Direktor Eberhard Magg, der „Eheschließung“ gar nicht persönlich beiwohnen konnte. Er war in Lymington/Großbritannien bei Formular Spars, um den Fortgang des Mastbaus zu begutachten. „Wir arbeiten auf mehreren Ebenen just in time“, so der 41-Jährige Schwabe, „in den kommenden Wochen bleibt noch viel zu tun.“
Nachdem Deck und Rumpf mit einer Spezialverklebung fürs Leben verbunden werden, geht es neben lokalen Verstärkungen sofort an die Ausrüstung mit Beschlägen, Winschen, Grindern und vielem anderen mehr. Verschlossen vor den Blicken Neugieriger ist nun auch die innere Struktur des deutschen Cuppers mit der Kielaufhängung. Magg: „Das soll auch so lange wie möglich ein Geheimnis bleiben, wie wir diese entscheidende Frage der Steifigkeit des
Boots gelöst haben.“
Vor der „Hochzeit“ hatte der pechschwarze Karbonrumpf noch zum ersten Mal das Licht der Welt erblickt. Um das Deck mit „Herkules“, einem Mobilkran, über die Schale zu heben, musste ein Teil des 30 Meter langen, eigens für die GER-89 gebauten Kastenofens geöffnet werden. „Unsere 15 besten Männer waren dabei, als die ‚Braut’ dann endlich hereingeführt wurde“, sagt Steffen Müller, Geschäftsführer von Knierim-Yachtbau.
Für sein Team bleibt kein Wochenende zum Verschnaufen. Bis zum Montag, dem 24. April, dem Datum der Taufe durch die Gattin des Bundespräsidenten, Eva Luise Köhler, in Kiel stehen noch eine Reihe von Bauschritten an. Demnächst wird die Kielfinne geliefert, später die Kielbombe, das Ruder kommt noch und nicht zuletzt der Mast. Außerdem soll das Boot noch auf Hochglanz lackiert werden.
Die Qualifikationsregatten zum 32. AC, die Acts zehn bis zwölf, wird das United Internet Team Germany im Mai und Juni ohnehin noch mit der gebrauchten GER-72 bestreiten. Skipper Jesper Bank will mit dem neuen Boot nichts überstürzen und es lieber in Ruhe auf größere Aufgaben vorbereiten. „Wir sind alle gespannt, wie viel Potential die neue Yacht hat“; so der Däne, „aber ein frühzeitiger Regattatest wäre fahrlässig.“
Technische Daten eines America’s Cuppers:
![]() | Länge über alles: ca. 26 Meter |
![]() | Breite: ca. 4 Meter |
![]() | Tiefgang: 4,10 Meter |
![]() | Masthöhe: ca. 33 Meter |
![]() | Gesamtgewicht: max. 24 Tonnen |
![]() | Kielballast: knapp 20 Tonnen |
![]() | Segelfläche am Wind: ca. 320 Quadratmeter |
![]() | davon Großsegel: ca. 215 Quadratmeter |
![]() | Spinnaker: ca. 510 Quadratmeter |
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