Clipper DJS : „Johann Smidt“ als Klassenzimmer

04. Mai 2009 - Am Samstag, den 2. Mai ist aus einem der ungewöhnlichsten Klassenzimmer wieder ein einfaches Segelschiff geworden. 24 Schüler haben auf den hölzernen Planken, unter Sonne und Segeln oder beim Wellengang des Atlantik die Schulbank auf dem Schoner gedrückt. Der Zweimaster „Johann Smidt“ des Vereins Clipper Deutsches Jugendwerk zur See (DJS) e.V. war sechs Monate lang die Heimat der Schüler und Lehrer die mit dem Projekt „High Seas High School“ in die Karibik gesegelt sind. Sie sind nach einer Zeit voller Erfahrungen mit der Seefahrt, fremden Kulturen und praktischen Lehrinhalten zurück nach Hamburg gekommen und wurden im Sandtorhafen empfangen.

Bastian Hagmaier (mitte) steht auf dem Bugspriet und hält nach seiner Familie Ausschau (Foto © Clipper)

Der Abschied von Freunden und Familie im letzten Oktober war bewegt – die Rückkehr genauso. Noch bevor die „Johann Smidt“ im Sandtorhafen richtig festgemacht war, flossen die ersten Wiedersehens-Tränen. Hier wurde vorsichtig vom Ponton über die Lücke zum Schiff eine Hand gedrückt oder wo es möglich war, schon eine Umarmung ausgetauscht. Und dann rannten sie los und liefen zu Freunden, Eltern und Geschwistern, die sie in der Menschenmenge aus über 200 Menschen schon von Bord aus gesucht hatten. Sogar in den Salingen hoch oben im Mast hatten die Schüler gestanden, vorne auf dem Bugspriet oder auf dem Ruderhaus, um Ausschau zu halten.

Christa Goetsch, Zweite Bürgermeisterin und Schulsenatorin der Stadt Hamburg, Christina Rau, Kuratoriumsvorsitzende der Hermann-Lietz-Schule Spiekeroog, Dr. Hartwig Henke, Leiter der Hermann-Lietz-Schule Spiekeroog und des Projekts „Hogh Seas High School und Nikolaus Kern, Vorsitzender des Vereins Clipper DJS e.V. als Eigner der „Johann Smidt“ hießen die Schüler, Lehrer und die Schiffsführungen willkommen. Sie wünschten den Schülern, dass sie das einzigartige Abenteuer und Erlebnis in ihrer Erinnerung bewahren mögen und die Verbundenheit untereinander bestehen bleibe.

„Ein Schiff hinterlässt keine Spuren im Meer aber tausend in der Seele. Die `Jonny` hat eine tiefe Spur in unseren Herzen hinterlassen“, fassten die Schüler ihre Eindrücke zusammen. Sie hätten nicht nur 14431,2 Seemeilen im Kielwasser, sondern wären auch jeder 739 Stunden Wache gegangen, hätten alle 23 mal Großreinschiff gemacht und 471000 Blatt Toilettenpapier verbraucht. Aber die Reise wäre mehr gewesen, als Segel setzen und Backschaft. Sie hätten Freunde fürs Leben gefunden, wären selbstständiger, verantwortungs- und selbstbewusster geworden und sie wären als junge Erwachsene zurück gekehrt. „Kurz gesagt: es waren 4752 Stunden, also 198 Tage purer Wahnsinn“. Mit einem lauten Schlachtruf haben sie offiziell von „Johann Smidt“ und seiner ehrenamtlichen Stammcrew Abschied genommen.

Bastian Hagmaier aus Kaltenkirchen strahlte, als er seinem Vater Volker um den Hals fiel. Der 16-Jährige, der sich bisher gerne hinter seinem Computer versteckt hatte und alles „nach Plan“ ablaufen sehen wollte, ist lockerer geworden, bescheinigen seine Eltern. Und Karen Eckhoff aus Jesteburg konnte sich kaum von den neuen Freunden und dem Schiff trennen und betrachtete das offizielle Begrüßungs-Spektakel so lange wie möglich von Bord aus, nachdem sie ihre Familie begrüßt hatte.

Nach 198 Tagen, zwei Atlantiküberquerungen und mehr als 14000 Seemeilen im Kielwasser braucht die „Johann Smidt“ vor ihrem Sommereinsatz in der Ostsee eine Verschnaufpause. Die ehrenamtlichen Helfer des Vereins werden den blauen Rumpf, die Masten, Maschinen, Segel und alle beweglichen und festen Teile nach der hohen Beanspruchung fit für die Ostsee machen. Während auf dem Vereinsgelände „Mississippi“ in Hamburg-Harburg 250 Steaks für die Wiedersehensgemeinde gegrillt wurden, schleppten Schüler vom Vorjahres-Projekt Getränke, Bettwäsche, Töpfe und Pfannen – einfach alles – aus dem Schoner an Land.

Sie fühlen sich nicht nur mit den Rückkehrern verbunden, sondern auch noch immer mit dem Schiff und dem Verein. Sie freuten sich im letzten Jahr genauso, wieder zurück zu sein und wollten ebenfalls gleich wieder auf See. Fast alle Schüler, die 2008/2009 auf „Johann Smidt“ gelernt und gelebt haben, treffen sich im Sommer auf einem Törn von Helsinki über Turku, Finnland, nach Klaipeda, Litauen, wieder an Bord. Sie nehmen an der zweiten Etappe der „Tall Ships´ Races“ teil, einer Regatta für Großsegler, Traditionsschiffe und schnelle Yachten. Alljährlich startet die Regatta mit Schiffen, deren Crews mindestens zur Hälfte aus jungen Leuten zwischen 15 und 25 Jahren bestehen.

Clipper DJS e.V. schickt in diesem Jahr zwei Schiffe ins Rennen. Die hölzerne Gaffelketsch „Seute Deern“ ist vom Start in Gdynia, Polen, an dabei. Die erste Etappe führt die meist über einhundert Schiffe und Yachten nach St. Petersburg. Von dort aus folgt eine Art Geschwaderfahrt an der finnischen Südküste vorbei über Helsinki nach Turku, wo die zweite Etappe nach Klaipeda gestartet wird.





Information:

Clipper DJS e.V. bei den „Tall Ships´ Races”:
Törn 2565 Seute Deern: Sa, 04.07.09 Gdynia bis Fr, 17.07.09 Helsinki
13 Tage für Jugendliche 546 €, Erwachsne 871 €, zuzüglich Transfer 140 € (per Bus und Flug)
Törn 2569 Seute Deern: Fr, 17.07.09 Helsinki bis So, 02.08.09 Klaipeda
15 Tage für Jugendliche 630 €, Erwachsene 1005 €, zuzüglich Transfer 170 € (per Flug und Fähre)
Törn 2572 Johann Smidt: Fr, 24.07.09 Turku bis Sa, 08.08.09 Sassnitz
15 Tage für Jugendliche 630 €, Erwachsene 1005 €, zuzüglich Transfer 85 € (per Flug)


„Johann Smidt“: Topsegelschoner, Baujahr 1974, gebaut in Amsterdam, Niederlande, Länge über alles: 36 Meter, Breite 8 Meter, Segelfläche: 471 Quadratmeter, 36 feste Kojen

„Seute Deern“: Zweimast-Gaffel-Ketsch, Baujahr 1939, gebaut in Svendborg, Dänemark auf der Werft Ring-Andersen, Länge über alles: 36 Meter, Breite 7,15 Meter, Segelfläche: 332 Quadratmeter, 30 feste Kojen

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