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Der nach Polynesischem Vorbild gebaute Wharram-Katamaran beim Probesegeln vor Mexiko. (Foto © Hympendahl - Lapita-voyage.org) |
Autor Hympendahl (Logbuch der Angst, Yacht-Piraterie) hat bei drei Besuchen der Südsee-Insel Tikopia die Polynesische Kunst der Seemannschaft und Navigation gelernt. In Artikeln brachte er das Wissen mit nach Deutschland. Und ist seitdem von den nautischen Fähigkeiten der Polynesier begeistert.
Thor Heyerdahl hatte 1946 mit dem Floß Kontiki beweisen wollen, dass die Polynesier aus Südamerika zu den Insel kamen. Er wurde zwar berühmt – aber er irrte.
„Man weiß heute, dass die Polynesier aus Taiwan und Südchina kamen. Das haben DNA-Vergleiche von Schweinen erbracht. Und die Keramik-Funde, die so genannten Lapita-Keramiken, nach denen das Projekt benannt ist,“ berichtet Hympendahl. Die Polynesier hatten schon damals Kanus gebaut, die einen tiefen V-Rumpf hatte, das kann man in Völkerkundlichen Museen begutachten. Diese Rümpfe machten es möglich, dass sie auch gegen die vorherrschenden Passat- und Monsun-Winde segeln konnten. Und das so schnell, dass sie auch die riesigen Entfernungen überbrücken konnten.“ Die „Lapita-Voyage“ wird nun den Weg von den Philippinen zu den Salomonen nachzeichnen.
1986 hatte der Düsseldorfer Werbefachmann seine Agentur aufgegeben und war zur vierjährigen Weltumsegelung aufgebrochen. Und hatte auch vor Tikopia, einer Insel der Salomonen-Gruppe, den Anker geworfen. „Ich habe dort in einer Hütte gewohnt, und bekam deshalb den Namen "Pa Terauola" – der Mann, der im Haus am Meer wohnt. Die Menschen auf Tikopia leben äußerst einfach, ohne Strom, ohne Autos, und die Häuptlinge haben den Alkohol verboten. Nur zweimal im Jahr legt dort ein schrottreifes Versorgungsschiff an, die nächste Insel ist hunderte Kilometer entfernt“
Nachdem 2002 ein Hurrikan die Insel verwüstet hatte, sammelte er Spenden, um auf Tikopia eine Krankenstation aufbauen zu können – Seglermagazin.de berichtete. Immer wieder schickte er Geschenke an die Insel. Nun wird er im November wieder aufbrechen, um Tikopia und seinen 1500 Einwohnern zu helfen: „Die Boote werden nach der Ankunft dort den Menschen auf Tikopia geschenkt.“ Es sind einfache Sperrholz-Katamarane, 11 Meter lang, 4,50 Meter breit, die der bekannte Konstrukteur James Wharram seit Jahren nach dem Vorbild der Polynesier konstruiert und die für diese Reise gebaut werden, mit Krebsscheren-Segeln an Bambus-Spieren. Die Rümpfe werden durch Streben verbunden, die mit Tauen befestigt sind. Das Sperrholz wird mit dm West-System durch Epoxydharz verstärkt.
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Klaus Hympendahl in seiner Wohnung mit der Zeichnung des Katamarans. (Foto © Jo Achim Geschke) |
Hympendahl lernte vor Jahren schon Wharrams Partnerin Hanneke Boon kennen. Auch sie wollten den äußerst armen Polynesiern helfen. Im November 2007 segelte der 68-jährige Hympendahl dann einen der in den USA gebauten Cats vor der Küste Mexikos zur Probe. „Ich habe das Segeln auf dem Fliegenden Teppich genannt, nur zwei Meter über der Wasseroberfläche. Diese Boote sind wirklich sehr schnell, Wenden klappen sehr gut, und sie sind hochseetauglich“, zeigt er sich überzeugt. „Man kann sie gut reffen, dazu werden die zwei Spieren zusammen geholt mit Gei-Tauen.“
Die Polynesier hatten offensichtlich Erfahrungen, die in Europa und den USA erst sehr spät offenkundig wurden: „Wind ist in der Höhe also etwa in zehn Metern, stärker als über dem Wasser. Also haben die Polynesier die Segel oben größer gemacht als am Mastfuß“, so Hympendahl.
Lapita Voyage
Die Reise – Lapita Voyage“ - startet im November auf den Philippinen, wo die Boote auch gebaut werden. Es geht in sechs Etappen über die Molukken am Bismarck-Archipel vorbei, an der Küste Neu-Guineas entlang bis zu den Salomonen. Geschlafen wird in den schmalen Rümpfen, gekocht auch. Kameramann und Wissenschaftler, die wohl mitfahren werden, müssen sich an das einfache Levben gewöhnen.
Skipper Hympendahl wird ohne moderne Navigationsgeräte auskommen, nur ein Satelliten-Telefon ist an Bord und ein Radio für die Wetterberichte. Ansonsten wird auf Polynesische Art navigiert: Nach Sonne, Sternen, Vogelflug und Strömungen.
„Die Boote kosten um die 50 000 Euro pro Stück, dazu kommen noch Ausrüstungen,“ rechnet Hympendahl vor. Deshalb braucht er dringend noch Sponsoren.
Auch zahlende Gäste können die etwa dreiwöchigen Etappen mitsegeln, wenn sie das einfache Leben aushalten können und nach einem persönlichen Treffen klar ist, dass sie zur Crew passen. Tropentauglichkeit vorausgesetzt. „Die Etappen kosten 4950 Euro, ohne Flug. Die letzte, sehr lange Etappe rund das Doppelte.“ Der Preis ist zugleich auch eine Spende – an die Polynesier, die Navigations- und Bootsbaukünstler.
www.lapita-voyage.org



