Gute Urlaubsfotos – Tipps und Tricks17. Mai 2005 - Segeln, Wind, Wellen – die Bilder, die wir aus dem Segelurlaub mitnehmen, gehören zum Faszinierendsten, was wir kennen. Ob schöne Urlaubsfotos als Erinnerung oder Regatta-Fotos für die Pressearbeit Ihres Vereins: kein Problem. Aus langjähriger Erfahrung von Fotografen und Redakteuren gibt Seglermagazin.de Tipps für gute Fotos aus dem Urlaub, Hinweise zu Kameras und Objektiven und zur Verarbeitung. Beispiele bieten selbstredend auch die vielen Fotos von international bekannten Fotografen auf Seglermagazin.de.

Ein Ausschnitt sagt mehr als das ganze fotografierte Schiff – zudem sind hier die weißen Segel und die anderen Farben mit der Belichtung ausgeglichen. (Foto © Jo Achim Geschke)

Entscheidend für ein gutes Foto ist der Blick des Fotografen – die meisten Kameras belichten heutzutage so gut, dass die Fotos technisch gut werden. Aber Sie selbst wählen am Sucher Ausschnitt und Bildaufbau und machen damit jenseits aller Technik ein Foto. Also nehmen Sie sich ruhig ein wenig Zeit, und vor allem: Drücken Sie mehrfach ab! Nichts ist so ärgerlich wie ein Gruppenfoto, auf dem Personen die Augen geschlossen haben. Für Personenfotos gilt: lieber mehrmals den Auslöser betätigen.

 

Das geht bei Digitalkameras sehr gut, weil es keinen Film kostet, aber setzt eine große Speicherkarte voraus: Empfehlenswert sind mindestens zwei Karten mit je 512 MB Speicherkapazität. Wer Regatten fotografiert, nimmt am besten die schnellen Profi-Karten, etwa »SanDisk Ultra«. Außerdem sollten Sie immer die höchste Auflösung ihrer Kamera wählen, damit Sie sich später nicht ärgern, wenn das phantastische, preisverdächtige Foto nicht vergrößert werden kann, weil Sie die kleine Auflösung gewählt haben.

 

Spiegelreflex oder kompakte Digitalkamera?

Eigentlich ist das keine Frage des Geldes. Gute Digitalkameras sind ebenso teuer wie digitale Spiegelreflexkameras. Was Sie brauchen, sind mindestens 4 Millionen Pixel Auflösung. Sie sollten aber darauf achten, dass die Kamera relativ schnell aufnimmt.

 

Und vor allem: Sie brauchen (bezogen auf Kleinbild) mindestens 200 mm Brennweite, wenn sie Fotos vom Segeln machen wollen!

 

Unübertroffen ist allerdings die Spiegelreflex-Kamera. Ich fotografiere mit einer Canon SLR und drei Wechselobjektiven. Die Canon EOS 350 D oder die Canon EOS 20 D Mark II sind mit 8 Millionen Pixeln und 4 bis 24 Bildern pro Sekunde hervorragend geeignet für Regatta-Aufnahmen. Es geht aber auch mit der Canon 300 D.

 

Ich empfehle einen Zoom mit 70 bis 200 mm Brennweite und dazu ein Weitwinkel-Objektiv mit 17 bis 35 mm. Sie können auch ein 10-mm-Weitwinkel-Objektiv für Bilder an Bord kaufen – das ist dann allerdings eine Frage des Geldes.

 

Urlaubsfotos – wohin speichern?

Es gibt hervorragende transportable Speicherboxen mit 40 GB Kapazität und mehr. Darauf können Sie unterwegs die Fotos direkt von der Karte abspeichern. Informieren Sie sich in Fachzeitschriften über die Besten und deren Preis, er liegt inzwischen bei etwa 200 Euro. Der Laptop an Bord ist eine zweite Möglichkeit, ich würde aber gute Fotos immer doppelt speichern oder gleich auf CD-ROM oder DVD brennen.

 

Belichtung

Wenn Sie bei Sonnenschein helle Boote fotografieren und dabei noch Zeichnung in den Schatten haben wollen, wird der Kontrastumfang sehr groß. Digitale SLRs schaffen heute erstaunliche Kontrastbreiten. Aber gehen Sie mit der Blende besser ein Drittel oder gar die Hälfte runter, damit sie noch eine Zeichnung in den Spitzen, den hellen Partien haben. Die Unter- und Überbelichtung ist eine Sache der Erfahrung, also des Ausprobierens. Die Kamera sollte aber eine Möglichkeit zur Belichtungskorrektur haben.

 

Fotografieren Sie mit normaler Blendeneinstellung einen Sonnenuntergang, dann einer um ein Drittel und schließlich mit einer um zwei Drittel offeneren Blende. Schauen Sie sich die Ergebnisse einmal genau an.

 

Bedenken Sie, dass Sie bei 200 mm Brennweite mindestens eine Verschlusszeit von 1/200 Sek. brauchen, damit die Aufnahme nicht verwackelt ist (bei 150 mm mindestens 1/150 Sek. etc.).

 

Blitze

Gesichter vor hellem Himmel oder glitzerndem Wasser sind oft kaum zu erkennen – hier empfiehlt sich ein Blitz zum Aufhellen. Meistens reicht der eingebaute Blitz, besser ist allerdings ein Blitzgerät zum Aufstecken. Beim Kauf eines externen Blitzgeräts sollten Sie nicht an der falschen Stelle sparen. Für die Canon ist mindestens ein 420er-Blitz erforderlich (Leitzahl 420 bei 21 DIN), sonst bekommen Sie Gruppen oder Innenräume nicht richtig hell. Blitzen Sie wenn möglich immer (!) über die Decke, das gibt indirektes, weicheres und damit natürlicheres Licht. Ich empfehle zudem einen »Joghurtbecher« auf dem Blitz, einen Softbag oder wie immer sie heißen: Jene Plastikkappen, die auf den Blitz gestülpt werden. Sie sehen sie bei allen Profi-Fotografen.




Vordergrund selektiv angeblitzt: Tim Kröger beim Grinder-Simulator des America's-Cup-Managements auf der Boot 2005. (Foto © Jo Achim Geschke)

Bei Digitalkameras können Sie auf das Objekt im Vordergrund zielen, einen Probeblitz auslösen und dann mit der gespeicherten Belichtung das Foto in anderem Ausschnitt fotografieren. Dann wird nicht nur der Vordergrund hell oder zu hell. Schauen Sie genau in die Betriebsanleitung!

 

Bildaufteilung

Oft sieht man Bilder, auf denen einsam ein Mensch steht: Vorsitzende Frieda sollte fotografiert werden. Damit man sie erkennt, muss sie aber nicht von Kopf bis zu den verstaubten Schuhen abgebildet werden – ein Ausschnitt reicht hier aus. Auf einem 9-mal-13-Abzug im Querformat ist die Person nicht mehr zu erkennen. Für Personenaufnahmen gilt: Wenn möglich, Personen im Hochformat aufnehmen, wobei der Hintergrund ungefähr die Hälfte des Bildes einnehmen sollte. Ein Portrait wird umso besser, je weniger Sie vom Portrait ablenken. Lassen Sie also keinen großen leeren Raum neben dem Kopf. Das wirkt langweilig, weil da nichts Interessantes zu sehen ist.

 

Gehen Sie nah 'ran!

Ob zu Fuß oder optisch mit dem Teleobjektiv, gehen Sie nah an Ihr Motiv heran. Ausnahmen bilden nur Landschaften und Fotos von Boots-Feldern, die dann durch besonderes Licht eine Stimmung vermitteln. Denken Sie an den Vordergrund: So vermittelt eine Boje im Vordergrund Tiefe und gibt dem ganzen Bild etwas Perspektivisches.

 

Wenn Sie kein 21-mm-Objektiv haben, können sie am Kai kein Segelboot in voller Größe fotografieren! Ein Ausschnitt sagt mehr als ein Foto, für das Sie weit weg gehen müssen. Ein Detail oder mehrere, die das ganze Format ausfüllen, bringen das Typische eines Bootes vielleicht noch besser rüber.

 

Einer der berühmtesten Fotografen, Henri Cartier-Bresson, hat fast alles mit einem normalen Objektiv (55 mm) fotografiert. Er hat aber für seine Bilder den richtigen Blickwinkel, also Standort gesucht. Gehen sie mal ein bisschen herum und suchen den »richtigen« Winkel. Suchen sie das Ungewöhnliche, das Typische, wenn Sie an Land fotografieren. Oftmals liegt es abseits der Wege.

 

Stellen Sie das Wichtigste im Bild nicht immer in die Mitte. Spannend wird ein Foto auch, wenn das Motiv im linken Drittel des Bildes liegt. Die meisten Betrachter schauen ein Foto von links nach rechts an.

 

Und nun: Viel Spass mit Ihren sicherlich sehr schönen Urlaubsfotos!

 

Text: Jo Achim Geschke

 

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