Mini-Transat: Interview mit Christian Kargl

10. Oktober 2005 - Am Samstag gingen die 6,50 Meter kurzen Renner , die Minis, auf die zweite Etappe ihrer Transatlantik-Regatta. Der Österreicher Christian Kargl ist mit seinem Mini der einzige deutschsprachige Segler in disem Rennen, das für viele Segler in der Vergangenheit den Grundstein für eine internationale Segel-Karriere auf Figaros oder Open 60s gelegt hat. In einem Interview beschreibt Kargl, wie er auf dem Mini schläft, isst oder wie es ihm bei den Reparaturen auf der ersten Etappe ergangen ist.

Kargls grüner Mini von oben (Foto © www.segelwelt.at)

Wie ist es dir mit dem Schlaf gegangen, wielange konntest du schlafen?

Durch den tagelangen Rückenwind, den wir mit Spinnaker bewältigten, war

wenig Zeit zu schlafen. Die Autopiloten können den hohen Wellen und den

wilden Surfs nicht lange folgen und so begnügten wir uns im Schnitt mit 2-3

Stunden Schlaf. Da kam es schon vor, dass wir Stimmen von Meerjungfrauen und Flugzeugen hörten, die nicht da waren.

 

Was hast du gemacht, als dir das Vorstag gebrochen ist?

Die Situation war unangenehm, da ich vorab schon meine Fallen für den Spi

verloren hab. Gebrochen ist das Vorstag dann bei einem langen Sonnenschuss mit dem großen Spinnaker, der über einen Ersatzblock im Top gefahren wurde. Ich bin sofort abgefallen um den Mast nicht zu brechen und habe den Mast mit dem Spinnakerbaum nach vorne gestützt. Leider hatte ich damit keine Möglichkeit mehr, einen Spi zu setzten und musste die letzten Tage Schmetterling nach Lanzarote düsen.

 

Warum musstest du in den Mast klettern?

Meine Spinnakerfallen brachen und so versuchte ich in einer ruhigen Bucht

bei Cap Finistere die Fallen wieder einzfädeln ... aufgrund des zu hohen

Schwells gelang das allerdings nicht und ich kennterte als ein Fischerboot

knapp an mir vorbeifuhr und ich im Masttop knapp 12 Meter über dem Wasser war. Die spanischen Fischer mögen mir meine Flüche verzeihen ;-)

 

 

Christian Kargl (Foto © www.segelwelt.at)

Was und wie oft hast du gegessen?

Ich hatte für 12 Tage kalkuliert und so kam ich mit den Vorräten gut aus.

Wir müssen einen strengen Plan einhalten um nicht auf auf das Essen zu

vergessen und futtern 5 mal täglich. Frühstück mit Müsli und Toastbrot,

Mittagessen mit Salatdosen, Thunfisch, Reis oder Pasta, Abendessen war

wieder ordentlich wie mittags. In der Nacht gibt's Snacks und hochkalorische

Zusatznahrung von Fresenius Kabi. Besonders gern hatte ich Erdnüsse, die

meine Müdigkeit in Grenzen hielten und eine gewisse Sättigung versprachen!

 

Du hast trotz deinem 53. Platz den Streckenrekord aller vorangegangener

Minitransats geschlagen, wie fühlst Du Dich dabei?

 

Das Wetter war verrückt und der konstante Rückenwind perfekt für diese Art

von Booten. Beachtlich auch die Durschnittsgeschwindigkeiten von bis zu 10

Knoten der führenden Teams. Etmale jenseits der 200 Seemeilen wurden bei

dieser ersten Etappe erreicht! Auf der einen Seite bin ich stolz, den Rekord

gebrochen zu haben, andererseits natürlich über die Platzierung enttäuscht

... "don't break anything" war wohl der beste Rat, den wir zum Start

bekommen haben.

 

Wo liegt der Unterschied zu den Top 10 Teams?

Die Top 10 Teams hatten erstens nichts bzw. fast nichts gebrochen und saßen zweitens diese Saison wesentlich mehr am Boot als ich. Die fehlenden

Segeltage wirkten sich hauptsächlich bei den Manövern aus, die nicht immer

ganz reibungslos verliefen. Die Karten werden beim Start am Samstag

allerdings neu gemischt und auch mit 40 Stunden Rückstand auf den ersten ist auf der zweiten Etappe noch alles möglich. Einige Sieger der letzten Rennen hatten in Lanzarote mehr als 20 Stunden Rückstand.

Meine ganze Kraft werd ich auch die bevorstehenden Meilen konzentrieren und meine Fallen besonders gut im Auge behalten ;-)

 

Welchen Tag hast du am meisten genossen?

 

Der letzte Tag vor Cap Finistere war umwerfend. Glitzerndes aufgewühltes

Meer, 20-25 Knoten Wind und ein Surf nach dem anderen. Über 8 Stunden konnte ich einen Schnitt von 10 Knoten Speed halten ... und der tiefrosa

Sonnenuntergang war zum weinen schön.

 

Was waren die schlimmsten Minuten/Stunden?

Die schlimmsten Minuten erlebte ich wohl kurz vor dem Ziel bei den zwei

Brechern, die mich vor Arreceive in Lanzarote erwischten. Ich hörte ein

leises Rauschen, blickte zurück und konnte mich nur noch festhalten! Nachdem ich bei der Kenterung mein leuchtendes Toplicht im Wasser nicht mehr sehen konnte dachte ich, es sei aus und ich müsste mein Mayday senden. Und das nur 10 Meilen vom Ziel entfernt ...

 

Hattest du Kontakt zur Aussenwelt oder Konkurrenten?

Die ersten Tage war noch reger Funkverkehr, der dann auf der Höhe von

Gibraltar rasch weniger wurde. Die letzten Tage vor Lanzarote hatte ich noch

einen Segler, den ich erreichen konnte, sonst war mein Funkgerät still.

Spannend ist immer der Einlauf ins Ziel, da du vorher nie weißt, an welcher

Position du bist.

 

Wie geht's mit den Reparaturen voran?

Seit gestern ist das Boot bereit für die zweite Etappe. Die Schäden waren ja

nicht strukturell sondern nur lästig und leicht zu beheben. Vorstag wurde

erneuert, meine Fallen wieder eingefädelt und auch die Masteinheit des

Windinstruments getauscht. Morgen wird noch gebunkert und dann passt wieder alles ;-)

 

Worauf achtest Du bei der zweiten Etappe?

Entscheidend wird die Einteilung meiner Kräfte sein. "Es ist kein Sprint

sondern ein Marathon", wurden wir schon in La Rochelle gewarnt.

Demenstprechend werde ich versuchen, schon am ersten Tag genug Schlaf zu bekommen und immer ein Auge auf des Wetter zu werfen. Trinken ist auch eines der heikelsten Themen. 3 Liter pro Tag sollten wir trinken. Darauf müssen wir speziell in den windlosen Doldrums rund um den Äquator achten!

Etwas vorsichtiger werde ich auch mit meinen Fallen umgehen, einen zweiten

Sicherheitsknoten machen um keine Böse Überraschung mehr zu erleben!

 

Wie ist der Kurs der zweiten Etappe? Wie wird das Wetter?

Die zweite Etappe wird sich in drei markante Strecken teilen. Teil eins sind

7 Tage Passatwinde zu den Kapverden, konstantem Rückenwind und viel

Spinnakersegeln. Dann geht's in die Kalmenzone (Doldrums) wo wir zwischen 2 und 5 Tage ohne Wind sein werden und von einem Regenschauer bzw. Gewitter ins nächste navigieren. Teil drei ist der Südost-Passat südlich des

Äquators, der uns bis Brasilien begleiten wird. Kriterium ist mit Sicherheit die Kalmenzone, die wir möglichst schnell durchqueren müssen. Da sind 15 bis 20 Segelwechsel pro Tag keine Seltenheit. Zur Anstrengung kommt noch die Hitze, der wir mit Lycra-Shirts und Sonnenschutzfaktor 50 wiederstehen müssen.

(Interview: Segelwelt.at)

 

Ergebnisliste: http://www.transat650.org/ppositions.cfm

Website: www.transat650.org

 

 

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