Segeln durch Wiesen

20. Juni 2002 - Es wehte mit neun und mit Sieben am Ijsselmeer. Hack auf dem Urlaubstörn zu zweit muss nicht sein. Also auf zu den friesischen Seen, zu Fluessen oder dem Heeger Meer. seglermagazin.de stellt in täglich neuen Folgen das Ijsselmeer und die friesischen Seen, das Wattenmeer und die Inselhäfen nördlich des Ijsselmeers in Geschichten vor und gibt Tipps zum Segelurlaub in den Häfen, die einst Weltumsegler beherbergten, in denen wie in Enkhuizen die kostbaren Schätze der Schiffe aus Batavia oder den Kolonien in der Goldenen Zeit der Niederlande entladen wurden, oder von Hoorn, nach dem das berühmte Kap benannt ist.

Sonnenuntergang in Heeg – das entschädigt für Regenwetter oder böige sieben auf dem Törn ( Alle Fotos © Jo Achim Geschke)

Serie: Ijsselmeer – Teil 1: Über die friesischen Meere

Über das Ijsselmeer vor der Ausfahrt von Stavoren Buitenhaven fegen harte Böen – "da draußen sind neuneinhalb", sagt trocken unser Vercharterer. Hier in der Marina Stavoren – die binnen liegt, hinter der Johan Friesosluis - messen wir immer noch gute sechs Windstärken in der Abdeckung. Wir haben bei "Albatros Yachtcharter" ein Acht-Meter-Boot gechartert – zum ersten Mal wollen wir nur zu Zweit segeln. Aber der Hack jetzt da draußen, der ist mir von früheren Törns bekannt, ich bin mehr als 1000 Seemeilen hier gesegelt und kenne die kurzen steilen Wellen von Windstärken zwischen fünf und zehn. Muss nicht sein – wenn es so weht: Gehen Sie "binnen", segeln und motoren sie über die Kanäle und Friesischen Seen.

Es soll alles ganz entspannt gehen, meine Lebensgefährtin ist in diesem Mai schließlich erst zum zweiten Mal auf einer Segelyacht. Also erst mal mit dem Boot vertraut machen, die Technik und die Rollsegel sind Okay – bei diesem Vercharterer immer.

Die Gib Sea ist 7,90 Meter lang, hat Steh-Höhe (!) und ist für Zwei kuschelig bequem (mit Heizung, klar). www.albatrosyachtcharter.nl

 

Gib Sea

Unsere Gib Sea am Steg (Fotos © Jo Achim Geschke)

 

Wir legen ab, gehen aus der gut geschützten Marina Stavoren über den Kanal Richtung Heeg, unserem Ziel für den ersten Tag heute – etwas mehr als 10 Kilometer. Durch die Warnservaart geht es mitten durch die Wiesen – das ist das Schöne in Friesland: Backbord und Steuerbord blühen die Blumen in tiefgrünen Wiesen, kreischen die Uferschnepfen.

Die Öffnungszeiten der Schleusen und die Signale stehen alle im "Wateralmanak" Band 1 und 2 – die sind an Bord, aber einen zu Hause schon zu kaufen und sich einige Routen vorher mal anzusehen, ist nicht verkehrt.

Die Warnservaart heißt auch "Johan Frieso Kanaal" und ist breit genug für Berufsschiffe – Jollen können hier sogar kreuzen, und das tun sie auch! Also Vorsicht vor den "Valks" – die gehören meist zu Segelschulen und kreuzen nicht immer wie erwartet ...

und dann die Brücken: Weil sie nicht offen sind, müssen wir in den kommenden Tagen schon mal vor der Brücke an den Dalben anlegen. Wir haben aber gute Sechs von der Seite ... Also Vorsicht: Auch so eine Kanalfahrt ist keine Kuchentörn, und Sie sollten sich schon mal Gedanken gemacht haben, wie sie bei auflandigen Wind von den Dalben wegkommen, wenn die Schleuse oder die Brücke aufgeht. Übrigens sind die oft so hoch, dass sie mit einem kleinen Boot noch drunter durch kommen. Dann geht es auf die weiter Wasserfläche "Fluessen" – hier ist es fast überall tief genug für eine Yacht mit 1,50 Meter Tiefgang. Mit dem Heeger Meer zusammen bildet Fluessen eine weite Wasserfläche auch zum segeln – auch bei sechs. Wir haben Sie allerdings auch bei mehr als 30 knoten erlebt, und dann sind die Wellen hier erstaunlich!

 

Heeg – die Aalfänger und Bootsbauer.

In Heeg gehen wir mit "voll voraus " in die bei sechs sehr kabbelige Einfahrt des kleinen Hafens "Heegerwaal" – ein schöner kleiner Hafen nach Backbord aus dem Fahrwasser heraus, vor der Stadt, die aber nur wenige Minuten, an Geschäften vorbei, zu Fuß erreicht ist. Heeg hat viel von seiner Geschichte als Aalfänger-Stadt erhalten. Durchzogen von Kanälen, bietet es Restaurants und Kneipen direkt am Wasser, hier können sie auf der Terrasse einen riesigen "Uitsmijter" verdrücken oder Kaffee trinken. Bier auch, klar.

 

Heeg hegerwal

Der ruhige Hafen Hegerwal (Fotos © Jo Achim Geschke)

 

Wer nach Heeg hineinfährt oder heraus Richtung Sneek, muss sich strikt an die Betonnung halten. Wir fahren weiter über den Johan Friesokanal nach Sneek. Au dem weg dorthin begegnen uns etliche Berufsschiffe. Meist geht das gut – aber denken sie dran: Die Kähne haben Vorfahrt ! Immer! Und manche Skipper machen sich auch den Spaß, die deutsche Yacht ein wenig an den Rand des Kanals zu drängen ...

 

Sneek Wassertor

Das Wassertor in Sneek (Fotos © Jo Achim Geschke)

 

Sneek ist eine kleine, aber betriebsame Stadt. das Wassertor ist übrigens erst Ende des 19. Jahrhunderts gebaut worden, aber die Stadt selbst ist ein uraltes Handels-Zentrum. Deshalb lohnt sich auch ein Besuch des Fries Scheepvaart Museums, der weg dahin ist ausgeschildert. Außerdem besorgt man sich sowieso am besten gleich einen Stadtplan beim VVV

Von Heeg aus sind wir weiter nach Lemmer – von Sneek aus geht das über den Jeltesloot und den stark befahrenen Prinses Margriet Kanaal, eine Schifffahrtsstraße ; Berufsschiffe haben Vorfahrt! Auf den Kanälen darf nur gesegelt werden (am besten nur raumschots), wenn der Motor mitläuft. Zu Lemmer kommen wir dann morgen in der nächsten Folge 2.

 

Hier jetzt einige Tipps:

Auch wenn Sie binnen auf den Kanälen und friesischen Seen segeln wollen: bereiten Sie sich vor: Mit dem "Wateralmanak" Band 2, der jedes Jahr etwa im März neu aufgelegt wird. Mit den neuen Karten sowieso.

Eine gute Hilfe ist das Buch "Holland 2", ein "Törnführer" von Jan Werner für das Ijsselmeer und die nördlichen Provinzen, erschienen bei Delius und Klasing. Außerdem Manfred Fenzel, "Das Ijsselmeer", erschienen bei Edition Maritim

 

Häfen

Die beste Übersicht gibt es auf der website

 

www.allejachthavens.nl , mit Beschreibungen, Adressen, websites und Telefonnummern von mehr als 230 Häfen in allen Niederländischen Provinzen.

Die Ausrüstung für Binnen ist fast die Gleiche wie für das Ijsselmeer – wir nehmen auch immer einen Weltempfänger mit, um Wetterberichte empfangen zu können.

 

Anlegen bei starkem Seitenwind

Ganz wichtig und sehr nützlich: Festmacher von etwa 10 bis 12 Millimeter Durchmesser, mehr als 10 Meter lang – möglichst drei davon. Denn auf allen Charteryachten gibt es zuwenig davon. Und beim Anlegen mit Seitenwind von sechs, wie wir es hatten – das passiert öfter als Sie denken - können Sie die Festmacher gut gebrauchen!

Laufen sie mit Ruhe ein, aber nicht mit zu wenig Gas. Verschaffen Sie sich erst einen Überblick – Ruhe ist die beste Seemannschaft! Gehen Sie zügig in die Box zwischen die Dalben, Gas weg und aufstoppen – und sofort ! achtern eine Leine auf Slip um den Dalben (den in Luv!). Und weil der Bug zu weit vor dem Steg stoppt, werfen Sie sofort eine Leine zu einem Helfer oder einer Helferin an Land – die sind immer da, wenn es heftig von der Seite weht. Ein hochbordiges Boot wird bei fünf oder sechs immer zur Seite gedrückt, haben sie achtern einen Halt am Dalben, ist das nicht ganz so schlimm, und mit einer langen Leine zum Steg können Sie sich in Ruhe ranziehen.

 

Puristen mag das nicht sehr seemännisch klingen. Aber wenn sie zweimal bei starkem Seitenwind in die Box mussten, ist ihnen lieb, wenn sie diese Anleitung auch ohne korrekte Bezeichnung im Kopf hatten ...

Bis morgen, zur Folge über Lemmer, den Charme einiger Ijsselmeerhäfen und etlichen Tipps zu Veranstaltungen in diesem Jahr rund um das Ijsselmeer.

Lesen sie dazu auch:

Ijsselmeer für Einsteiger

sowie

 

Ijsselmeer mit Chartertipps und News und Links

 

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