„Seute Deern“ zum 70. wieder flott28. Mai 2009 - Sie war als Frachtsegler unterwegs, segelte als Forschungsschiff vor Grönland und im Südpazifik und wurde für Seefahrtsschüler und Offiziersanwärter zum Schulschiff. Zu ihrem 70. Geburtstag hat der Zweimaster „Seute Deern“ eine neue Maschine bekommen. Die Gaffelketsch ist am 23. Mai als Letzte der Flotte des Vereins Clipper DJS e.V. in die Saison gestartet.

„Seute Deern“, Baujahr: 1939 in Svendborg, Dänemark, Länge: 36 Meter, Segelfläche: 332 Quadratmeter, Crew: 30 Personen

Für Überraschungen hat „Seute Deern“ schon öfter gesorgt – aber bisher nie so knapp vor dem Saisonstart. Diesmal fiel der alten Dame ein, dass sie kurz vor Ende der Winterarbeit im Februar noch für viel Arbeit und Aufregung sorgen wollte. Bei der Kontrolle der Hauptmaschine, wie sie jedes Jahr durchgeführt wird, zeigten die Kolben des Drei-Zylinder Alpha-Diesels einen „Hauch zu viel Spielraum“. Aus Sicherheitsgründen beschloss der Verein Clipper Deutsches Jugendwerk zur See (DJS) e.V., die etwa 50 Jahre alte Maschine auszutauschen.

Damit begann ein Wettlauf gegen die Zeit, denn spätestens Anfang Juni sollte sich die „Seute Deern“ langsam aber sicher in Richtung Osten bewegen, um schließlich an den „Tall Ships´ Races“ teilzunehmen. Für die Regatta, in der Großsegler, Traditionsschiffe und Yachten über zwei Etappen gegeneinander segeln, wird die Maschine nicht benötigt, aber um für alle Eventualitäten und den Notfall gerüstet zu sein. Schließlich ist die „süße Deern“ mittlerweile stolze 70 Jahre alt, geht aber längst noch nicht auf schmalen Spanten.

Eine kleine Crew verholte das Schiff hauptsächlich unter Segeln vom vereinseigenen Liegeplatz in Hamburg-Harburg in die Werft Ring-Andersen nach Svendborg, Dänemark. Hier war die „Seute Deern“, 1939 als „Havet“ gebaut und fast jeden Winter von den Schiffszimmerleuten begutachtet worden. Für den Ausbau des alten Motors wurden jedoch die Maschinen-Spezialisten von gegenüber, von der Firma Sörensen und Petersen, benötigt. In Einzelteilen haben sie den Alpha-Diesel aus dem Maschinenraum geschafft, was unmöglich gewesen wäre ohne die ehrenamtlichen Helfer aus dem Verein.

Mit einer neuen Volvo Penta – Hauptmaschine sind die Zeiten des „Dahin-Tuckerns“ vorbei. Eingefleischte Freunde der „Seuten Deern“ nannten das alte Geräusch unter Motorfahrt „kartoffeln“. Der Sound hörte sich an, als würde man das Wort „Kar-toffel“ auf der letzten Silbe betonen – immer und immer wieder. An seine Stelle ist das leise Wummern des Schnellläufers getreten, der mit gedrosselten 300 PS für Vortrieb sorgt. Vorbei ist auch das „Anblasen“ beim Starten des vorgeglühten Dieselmotors mit Pressluft, das erst mit einiger Übung der „Chiefs“ auf Anhieb funktionierte. Nicht einmal die Handräder aus Messing, um den Verstellpropeller von Vorwärts- auf Rückwärtsfahrt umzustellen konnten bleiben oder das kleine Einstellrad für die Drehzahl. Ihre Bedienung erforderte Fingerspitzengefühl und gleichzeitig eine gewisse Kraft. Doch wenn kein einziges Ersatzteil mehr zu bekommen ist für die beinahe antiken Stücke, muss auch der traditionellste Maschinist auf moderne Alternativen ausweichen.

Leicht ist die Entscheidung dem Verein nicht gefallen, denn die Investition eines sechsstelligen Euro-Betrages ist nicht aus der Portokasse zu tragen. Der Verein hofft, beispielsweise unter den ehemaligen Seefahrtsschülern und Reedereien, die sich der praktischen Ausbildung ihrer Seeleute unter Segeln verbunden fühlen, Sponsoren zu finden, die das Projekt unterstützen.

Auch wenn es heißt „Leinen los Richtung Sankt Petersburg“ zur Oldtimer-Regatta, werden noch helfende Hände an Bord gesucht. Da die Crew mindestens zur Hälfte aus jungen Leuten zwischen 15 und 25 Jahren bestehen muss, wünscht sich Clipper noch viele junge Mitsegler. Die Schiffsführung aus erfahrenen Seeleuten, Maschinisten und Köchen bringen Neulingen auf einem Segelschiff bei, was für sicheres Segeln mit Regatta-Spannung nötig ist, Vorerfahrung ist nicht nötig.

Komm an Bord! Nur mit Seesack und Taschengeld, denn in 13 Tagen ab 546 € ist Verpflegung, Hafengeld und Brennstoff enthalten. Beim Verein Sail Training Association Germany (STAG) können Jugendliche unter 25 Jahren darüber hinaus eine Förderung für die Regatta-Törns beantragen.

Information:
CLIPPER DJS e.V. bei den „Tall Ships´ Races”:
Törn 2565 Seute Deern: Sa, 04.07.09 Gdynia bis Fr, 17.07.09 Helsinki
13 Tage für Jugendliche 546 €, Erwachsne 871 €, zuzüglich Transfer 140 € (per Bus und Flug)
Törn 2569 Seute Deern: Fr, 17.07.09 Helsinki bis So, 02.08.09 Klaipeda
15 Tage für Jugendliche 630 €, Erwachsene 1005 €, zuzüglich Transfer 170 € (per Flug und Fähre)
Törn 2572 Johann Smidt: Fr, 24.07.09 Turku bis Sa, 08.08.09 Sassnitz
15 Tage für Jugendliche 630 €, Erwachsene 1005 €, zuzüglich Transfer 85 € (per Flug)


Weitere Informationen über freie Kojen:
CLIPPER DJS e.V.,
www.clipper-djs.org


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