Taucher aus der Kälte14. Januar 2003 - Am grünen linksseitigen Rheinufer von Düsseldorf, auf den Rheinwiesen, zogen die Schlittschuläufer ihre Bahn: Auf zugefrorenen Pfützen, die das Hochwasser zurückgelassen hatte. Und neben ihnen schlidderten einige schwarz gekleidete zum Strom: Die wollten tatsächlich schwimmen! Bei 38. Neujahrschwimmen der DLRG ! 286 Rettungs-taucher und -schwimmer hatten sich in Neopren- oder Trockenanzügen zum Start am Mittag bei strahlendem Sonnenschein und minus drei Grad versammelt. Und alles war bester Laune – der Fluss hatte fünf Grad!

Start zum Neujahrschwimmen am Düsseldorfer Rheinufer – hinein ins fünf Grad kalte Nass! (Foto © Jo Achim Geschke)

Eckart Dausch strahlte: "Das war so warm wie lange nicht mehr." Dausch war gerade aus dem vier Grad kalten Rhein gestiegen. Vom Gesicht des Schwimmers, der aus der Kälte kam, perlten noch die letzten Tropfen eisigen Wassers. Der Düsseldorfer stand neben Zuschauern, die mit Schal und Handschuhen dick vermummt waren, in der Wintersonne und lachte, wie alle 286 Rettungs-Taucher, die am Samstag im Sportboothafen Düsseldorf-Lörick, dem so genannten Paradieshafen, an Land stiegen. Nachdem sie mehr als eine halbe Stunde ihre fast sechs Kilometer lange Bahn von der Kniebrücke bis zum Paradieshafen durch den braun-grünen Strom gekrault waren.

Temperaturen, die normale Menschen an die Heizkörper treiben, schreckten auch Robert Winkler nicht: Der 75-jährige war zum zehnten Mal aus Oberfranken 500 Kilometer zur eisigen Schwimmtour angereist. Und fuhr abends denn auch wieder zurück: "Dann bin ich 1000 Kilometer gefahren und einige Kilometer geschwommen," meinte er grinsend. Am Wochenende zuror war er in der Schweiz 25 Kilomter durchs eiskalte Wassser gekrault.

 

Neujahssschwimmen Ziel

Im Ziel! (Foto © Jo Achim Geschke)

 

Karnevalswagen im Eiswasser

Als ältester Teilnehmer startete er neben dem Jüngsten, dem 12-jährigen Dustin Rinaß von der DLRG Dinslaken: Rückwärts ging´s das Ufer hinunter, damit die Flossen nicht im Schlamm stecken blieben. Im brusthohen Wasser alberten die Münchner, Neusser und die Taucher vom hiesigen "Happy Divers Club" über die vier Grad der nassen Umgebung und zogen ihre schwimmenden Figuren, Karnevalswagen zu Wasser ähnlich, stromab. In schwarze und rote, isolierende Neopren- oder Trockenanzüge gehüllt, kamen sie mit der starken Hochwasser-Strömung schnell ans Ziel.

Allerdings gab es wegen der überfluteten Ufer auch Pannen: Zwei Schwimmer rissen sich an Büschen unter Wasser die Anzüge auf, das eisige Nass drang bis auf die Haut. Sie wurden mit DLRG-Booten an Land gebracht und dann aufgewärmt und in Decken gehüllt zum Ziel am Paradieshafen nach Lörick gefahren.

Im Paradieshafen platschte die nasse Meute fröhlich an Land und bekam vom DLRG-Ehrenvorsitzenden Klaus Bungert und dem Chef der sponsernden "Boot", Abdul-Rahman Adib, Medaillen umgehängt. Fast alle griffen danach beherzt zum Glühwein. Und auch die warme Dusche genossen sie ausgiebig, bevor im beheizten Festzelt die große Feier startete.

 


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