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T-Systems Tornado Team 2008 mit Johannes Polgar und Florian Spalteholz (Foto © T-Systems / N. Krauss ) |
Neue Tornado-Europameister wurden nach einem fulminanten Endspurt die Einheimischen Iordanis Pashalidis und Kostas Trigonis, die die dauerführenden Franzosen Yann Guichard und Alex Guyade sowie Billy Besson und Arnaud Jarlegan auf die Plätze verwiesen.
„Wir haben bei den extrem wechselhaften Winden in der griechischen Inselwelt fast nie das richtige taktische Konzept gefunden“, zog Johannes Polgar eine ernüchternde EM-Bilanz. Auch am Schlusstag seien ihnen wieder erstklassige Starts geglückt. Doch frühe Führungen auf der Startkreuz drehten sich mit dem Wind in große Rückstände. „Von einem 40-Grad-Dreher auf der falschen Seite erwischt zu werden, ist so niederschmetternd, weil du dich nicht wehren kannst, wenn die Gegner plötzlich in deinem Kielwasser an dir vorbei nach vorne fahren“, so der 30-Jährige Polgar. In den letzten beiden Wettfahrten standen nicht mehr als die Einzelränge 15 und zehn der rein europäischen Wertung zu Buche – nicht mehr als Mittelmaß in dem 20 Teilnehmer schwachen Feld, in dem nur noch zwei zusätzliche, nichteuropäische Mannschaften um die Mats Nyberg Trophy mitsegelten.
Unabhängig von dem Abschneiden habe sich die Regattareise nach Thessaloniki gelohnt, meint auch Florian Spalteholz, „wir sind im Hinblick auf Qingdao mit den Segeltests weitergekommen und haben auch bei der Konkurrenz einiges gesehen, das wir noch einer Feinanalyse unterziehen und selbst ausprobieren wollen.“ Und auch die Wettkampfpraxis sei Gold wert gewesen, zumal es die letzte Regatta vor den Olympischen Spielen im August war angesichts der Absage der Kieler Woche. Sowohl bei der EM als auch bei der größten Segelregatta der Welt machte sich offenbar bemerkbar, dass die Tornados aufgrund einer höchst umstrittenen Entscheidung des Weltsegelverbands ISAF für 2012 den Olympiastatus verloren haben. Wer keine Olympiafahrkarte abbekommen hat, hat seine Karriere schon beendet oder die Klasse gewechselt.
Letzteres werden auch Johannes Polgar und Florian Spalteholz zur Kieler Woche antesten. Dabei gehen sie ausnahmsweise getrennte Wege. Denn: Das Zweimann-Kielboot Star, für das der Steuermann sich entschieden hat, verlangt deutlich mehr Crewgewicht zum Trimmen als es der 71 Kilogramm schwere Spalteholz – ideal für China – „auf den Rippen hat“. Stattdessen wurde der 114-Kilogramm-Mann Nils Holweg aus Franken begeistert. „Mit ihm habe ich zumindest die Grundvoraussetzungen, von der Geschwindigkeit im Starbootfeld mithalten zu können“, hofft Polgar, für den ein Umstieg nach Olympia durchaus in Frage kommen könnte.
Noch größer ist der Ablenkungs- und Spaßfaktor dagegen bei Florian Spalteholz, wenn er am Mittwoch (25. Juni) an der Startlinie der Surfer stehen wird. „Ich habe überhaupt keine Ambitionen, bin aber sehr gespannt, wie es mir da ergeht“, sagt der 31-Jährige Architekturstudent, der immerhin auf dem Gardasee schon einmal auf dem RS:X-Brett gestanden hat. Und seine Partnerin Romy Kinzl, professionelle Surferin, die noch auf eine Nachnominierung für die Olympischen Spiele hofft, dürfte ihm sicher ein paar wertvolle Tipps geben. Polgar hat sogar schon mal eine Starbootregatta gewonnen, den Heinz Nixdorf-Pokal auf dem Möhnesee.
„Wir wollen unsere Ausflüge nicht überbewerten, die aus einer Not geboren wurden, um bei der Kieler Woche nicht nur zuzuschauen“ erklärt Johannes Polgar, „denn schon am Tag danach werden wir auf unserem Heimatrevier im Tornado ein viertägiges Manövertraining unter den Augen des Bundestrainers Rigo de Nijs abhalten.“ Danach geht es direkt nach Qingdao, wo auf dem Olympiarevier ein Training mit den Sparringspartner Tino und Niko Mittelmeier aus Ueberlingen ansteht, die bei der EM Achte wurden. Von den Leichtwindspezialisten, die in der nationalen Ausscheidung unterlegen waren, versprechen sich Polgar und Spalteholz noch einen wichtigen Schub für den Höhepunkt ihrer Segelkarriere im Sommer.
Endstand nach neun Wettfahrten der
Tornado-Europameisterschaft in Thessaloniki / Griechenland
1. Iordanis Pashalidis/Kostas Trigonis (Griechenland) 28 Punkte; 2. Yann Guichard/Alex Guyader (Frankreich) 30; 3. Billy Besson/Arnaud Jarlegan (Frankreich) 32; 4. Francesco Marcolini/Eduardo Bianchi (Italien) 44; 5. Roman Hagara/Hans-Peter Steinacher (Österreich) 46; 6. Leigh McMillan/Will Howden 48; … 8. Tino und Niko Mittelmeier (Ueberlingen) 52; … 13. Johannes Polgar/Florian Spalteholz (Dänisch-Nienhof/Kiel) 64.


