Vendee Globe: Endspurt – wer wird’s?01. Februar 2005 - Renntaktik vom allerbesten: Jean le Cam auf "Bonduelle" hatte gestern kurze Zeit die Führung, aber Vincent Riou auf "PRB" nahm sie ihm wieder ab. Rein rechnerisch – denn Riou hat gestern Nachmittag gewendet und segelt auf einem Schlag von Norden genau auf Le Sables d'Olonnes zu. Während Le Cam, auch wenn er besseren Wind hat, kreuzen muss. Ebenso Mike Golding auf "Ecover" – der allerdings noch eine Chance auf Sieg sieht. Die Ersten werden Mittwoch Nachmittag oder Abend im Ziel sein. Conrad Humphreys auf Hellomoto hat seinen lockeren Kiel inzwischen einigermaßen fixiert.

"Bonduelle" mit Jean le Cam – der dem Führenden Vincent Riou auf "PRB" eng auf den Fersen ist. (Foto Benoit Stichelbaut / DPPI/ Vendee Globe)

Die Situation gestern Nacht:

"Bonduelle" mit le Cam ist etwas schneller am Wind als Riou, aber Le Cam hat einen Knoten mehr Wind, der kommt aber vorlicher als bei Riou. Während Riou Wind aus 39 Grad hat, bekommt Le Cam Wind aus 54 Grad – und muss also höher laufen. Der Wind weht bei beiden mit 12 und 13 Knoten. "Bonduelle" muss ebenso kreuzen wie Mike Golding auf "Ecover". Während Riou die Chance hat, etwas voller zu segeln – Riou ist zuvor sehr weit nach Norden, bis auf die Breite des Kanals Gesegelt ! Wenn er jetzt voll und bei auf Les Sables d'Olonnes zulaufen kann, könnte er schneller dort sein als die beiden anderen. Könnte. Wenn der Wind so bleibt und tatsächlich bei Riou so bläst wie vorhergesagt. Gestern schwankte er zwischen 12 und 24 Knoten – dabei kann man, sagte Golding, die Segelfläche nicht vernünftig einstellen. Manchmal hat man zu viel Druck, manchmal zu wenig Druck im Segel.




Die Positionen der drei Spitzen-Vendee Segler am 31 Jan. gegen Abend

Ein ziemlich unerschütterter Vincent Riou meinte gestern abend: "Ich fühle mich weder heiß noch kalt in dieser Situation. " Das Le Cam kurz die Führung übernahm, sei klar, er läge näher an Les Sables – aber wenn er dann gewendet hätte, wäre er bei Arcachon (in Südfrankreich) ausgekommen und hätte noch mal wenden müssen." ...

 

Und dann formulierte der Franzose, der bisher ein ungeheures Rennen geliefert hat: "Wenn du kein Spieler bist, solltest du kein Segler sein. Ich glaube nicht, dass ich in einer besseren Position sein könnte. Die kürzeste Route ist nicht notwendig die schnellste." Denn, so de Franzose Riou, der das Boot "PRB" schon für Desjoyeaux, den Vendee Sieger von 2001, gewartet hatte, und der damit jetzt in bester Position für einen Sieg liegt: Das Hoch über dem Atlantik sei sehr groß und stabil. Weiter im Norden habe er stabileren Wind in diesem Hoch. Die Zukunft müsse zeigen, ob es sich bewege und wohin es sich bewege.

 

Und Jean Le Cam (Bonduelle) sieht sogar Vincent Riou, den er "le terrible" getauft hatte, als Sieger: "Wenn wir den Wettermodellen vertrauen, wird "PRB" am Mittwoch gegen 22:30 Uhr GMT über die Ziellinie gehen. Und ich am folgenden Morgen. Alles hängt am Hoch, wenn es zum Osten hinüber geht, findet er nie seinen Wind. ... Es ist risikoreicher für ihn, weil er näher am Kern des Hochs ist als ich."

 

 




Die geflickten Keel-Rams (schwarze "Rohre") am Schwenkkiel von Conrad Humphreys Hellomoto (Foto ©, Conrad Humphreys / Hellomoto / Vendee Globe)

Auch der Brite Conrad Humphreys auf Hellomoto hat Kiel-Probleme  - wie schon zuvor Sedlacek, und Nick Moloney, dem sogar der Kiel abbrach. Bei Hellomoto hatten die hydraulischen Hebel, die den  Kiel nach einer oder der anderen Seite auslenken (schwenken), Druck verloren, offensichtlich lief auch Hydraulik-Öl aus. Das führte dazu, dass der Kiel zum einen auf einer Seite blieb. Außerdem lockerte sich scheinbar die Kiel-Aufhängung. Humphreys versuchet 48 Stunden lang,  die Kielhydraulik zu reparieren. Jetzt scheint er – siehe Foto – den Kiel stabilisiert zu haben. Hellomoto liegt an achter Stelle und hat noch 3800 Seemeilen bis zum Ziel.

 

Wettervorhersagen ( in Französisch, A = Hoch, D = Tief)

http://www.vendeeglobe.org/fr/meteobis

 

Classement vom 31. Januar 2005  – ca. 19:00 Uhr UTC

(Boot / Skipper – Position – Sm Ziel – Sm zum Ersten – Speed – Kurs)

 

  1. PRB
    Vincent Riou 48 24.48' N 15 04.40' W 551.0 0.0 8.8 098
  2. Bonduelle
    Jean Le Cam 46 35.68' N 15 28.20' W 564.2 13.3 9.3 111
  3. Ecover
    Mike Golding 45 57.76' N 16 32.60' W 612.6 61.6 9.3 121
  4. Temenos
    Dominique Wavre 30 48.12' N 26 47.24' W 1491.5 940.5 11.7 032
  5. VMI
    Sébastien Josse 30 00.64' N 26 10.40' W 1505.8 954.8 11.7 020
  6. Virbac-Paprec
    Jean-Pierre Dick 5 17.12' N 31 07.92' W 2931.3 2380.3 11.0 343
  7. Arcelor Dunkerque
    Joé Seeten 9 26.32' S 32 29.76' W 3779.9 3228.9 8.2 008
  8. Hellomoto
    Conrad Humphreys 11 36.08' S 31 41.12' W 3890.6 3339.6 9.6 012
  9. Ocean Planet
    Bruce Schwab 22 12.48' S 32 50.80' W 4511.4 3960.5 9.3 003
  10. Max Havelaar / Best Western
    Benoit Parnaudeau 28 49.56' S 40 26.20' W 5030.1 4479.1 9.0 029
  11. ROXY
    Anne Liardet 42 00.56' S 53 55.08' W 6029.3 5478.3 8.3 055
  12. AKENA Vérandas
    Raphael Dinelli 48 38.52' S 59 10.92' W 6484.0 5933.0 10.2 060
  13. Benefic
    Karen Leibovici 53 14.04' S 59 25.52' W 6715.4 6164.4 9.9 028
ausgeschieden:

Nick Moloney - "Skandia"

Patrice Carpentier - VM Matériaux

Marc Thiercelin - Pro-Form

Roland Jourdain - "Sill et Véolia"

Hervé Laurent -  UUDS

Alex Thomson - Hugo Boss

Norbert Sedlacek Österreich - Brother

 

Die Skipper des Vendée Globe 2004 stellte Seglermagazin.de vor unter

Vendee Globe: Gestartet

Die Berichte vom Vendée Globe:

Vendee Globe 2004 / 2005

Die website des Vendée Globe:

www.vendeeglobe.org

 


Anzeige

 Seite drucken  |   Seite versenden