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Stimmung in einem griechischen Inselhafen – auch im Oktober wundervoll (Foto © J A Geschke) |
Es ist noch richtig sonnig, das Wasser durch den langen Sommer warm und die Winde meist moderat. So wie wir vom goldenen Oktober sprechen, nennen die Türken ihn sarı ekim, den gelben Oktober.
Der 14-tägige Törn führte uns drei Segler in einer Jeanneau 36 von Bodrum aus im Zickzack nach Südwesten - ans Ende Europas. Hier liegt die letzte griechische Insel Kastellorizo. Die Götter haben sie direkt vor die türkischen Stadt Kaş plaziert, 72 sm SE von Rhodos. Einst war Kastellorizo eine Handelszentrale zwischen Orient und Europa. Man sieht hier in den Restaurants ca. 60 Jahre alte Fotos mit Dutzenden von Segelschiffen und mehreren Wasserflugzeugen im Hafen, wo heute ein paar kleine Fischerboote und zwei, drei Yachten liegen. Kastellorizo ist jetzt ein Außenposten, dem man die Attribute fern, verlassen, romantisch zuordnen kann. Im II. Weltkrieg zerstört, siedelten viele der einst 20.000 Menschen im fernen Australien an.
Australisch am Ende Europas
Heute leben auf dem kleinen Eiland keine 200 Menschen, einige sind Spätheimkehrer und sprechen breites australisch. Also, mit Englisch kommt man hier gut klar. Das Städtchen liegt um eine hufeisenförmige Bucht, Restaurant an Restaurant, Cafe an Cafe. Nach einem Tag kennt man jeden im Ort. Die Häuser am Wasser sind alle wieder aufgebaut. Im hinteren Teil des Ortes sieht man viele morbide Ruinen durch die Kriegszerstörung. Trotzdem hinterlässt die Insel den Eindruck, man sei hier abseits aller Sorgen dieser Welt.
Die Inseln bei fangfrischem Fisch
Sie sehen, ich habe gleich zu Anfang meine Lieblingsinsel beschrieben. Aber gemach, dazwischen lagen noch andere Inseln. Die erste war Kos, die mochte ich gar nicht – zu viele Touristen. Die zweite liebe ich. Sie heißt Simi, war auch im II. Weltkrieg zerstört und wurde auf wundersame Weise wieder schöner denn je aufgebaut. Klassizistische Häuser im italienischen Stil beherrschen die Bucht. Schon vom Schiff aus ist man von diesem Anblick fasziniert. Obwohl hier Ausflugsdampfer von Rhodos Dutzende von Touristen täglich in der Saison ausspucken, gehört die Insel nach 16.00 Uhr wieder den Einheimischen, den wenigen Reisenden und einigen Künstlern, die hier ständig wohnen.
Im Nachttörn ging es dann zu Europas letztem Felsen, besagter und gelobter Insel Kastelhorizo, wo wir zwei Tage blieben und ausgiebig tags badeten und abends fangfrischen Fisch aßen, der zuvor in Schubkarren von den Fischerbooten zu der handvoll Restaurants gebracht wurde.
Marmaris
In Marmaris, Türkei, war nach einer Woche Wechsel des dritten Mannes. Vorher ließen wir es uns nicht nehmen, vor dem Strand zu ankern, der auf fast jedem Türkei-Prospekt abgebildet ist: Öle Deniz. Glauben Sie mir, auf dem Foto sieht alles schöner aus. Die Aufnahmen müssen im Winter gemacht worden sein, wenn keine Liegestühle am sonst vollen Strand stehen. Was man nur in der Realität erkennt, offenbart ein Blick nach oben. Oberhalb des Strandes liegt der riesige, schroff ansteigende Bapadaģ, der Vaterberg. Er ist zu einem internationalen Dorado für Paraglider geworden, mit einer einmaligen Thermik, die es erlaubt sicher und lange in der Luft zu bleiben und auf dem ‚Postkartenstrand’ zu landen. Ich bin hier vor Jahren geglitten. Es war eine der schönsten Erlebnisse meines Lebens.
Kastelle und Kreuzritter
Auf der ganzen Reise wurden wir von Burgen und Kastellen empfangen. In diesem Gebiet lebten die Kreuzritter - mit Rhodos als ihrer Zentrale. Hier hatten sie an allen strategisch wichtigen Punkten ihre Wehrburgen gebaut. Kein osmanisches Heer, kein Erdbeben konnte diese Trutzburgen zu Fall bringen. Über 200 Jahre haben hier christliche Ritter aus Europa bis ins 16. Jahrhundert ihren Glauben verteidigt. Die sogenannten griechischen Dodekanes Inseln (12 bewohnte Inseln von Kalymnos über Kos, Nysiros, Simi, Rhodos bis nach Kastelhorizo) haben viele fremde Gesichter gesehen. Heute sind es Touristen aus Israel, Russland, den USA und Europa. Früher waren hier die Ägypter, die Piraten, die Römer, Phönizier, die Osmanen, Venezier, Genuesen, Spanier, Franzosen und im letzten Jahrhundert die Italiener, so dass die Alten alle noch italienisch sprechen. Den Insulanern ist der Fremde nicht fremd, denn mit ihren Handelsschiffen haben auch sie früher die Ferne besucht.
Wer sich für griechische Kulturstätten interessiert, kann seinen Törn auch so auslegen, dass er von einer Ausgrabung zur anderen segelt. Hier in Kleinasien und den antiken Inseln - an der Wiege der europäischen Kultur - kann man eine einmalige historische Exkursion per Segelboot planen und erleben.
Eine der schönsten Küsten der Welt
Wie laut kommt einem eine Touristenstadt wie Marmaris nach einer Woche segeln vor! Und wie schön sind im Kontrast dazu die vielen einsamen Buchten der türkischen Riviera. Ich habe die Welt umsegelt und kann deshalb sagen, dass die westliche Türkei eine der schönsten Küsten der Welt hat. Auf den Fehtye- und den Göçek-Golf südlich von Marmaris folgen nördlich der Yasilova- und der Hisarönü-Golf. Alle mit vielen Buchten, teils Fjorden, meist einsam, ab und zu ein Dorf, oft ein kleines Restaurant am Ende der Bucht. Das Essen ist köstlich, die Leute freundlich, der Ankerplatz sicher, das Wetter sonnig und das Wasser warm. Ja, was will man mehr?
Nach ein paar Tagen im schönen Hisarönü-Golf segelten wir noch einmal zur nahen, schönen griechischen Insel Simi, frühstückten im alten Kapitänshaus Aliki, heute ein kleines, idyllisches Hotel direkt am Wasser, und machten uns am nächsten Tag auf zur Insel Nysiros.
Sind die meisten griechischen Inseln karg, leuchtet Nysiros grün. Der vulkanische Bimsstein hält hier die Feuchtigkeit und die Insel ist ein großer ‚Garten’. Berühmt ist sie wegen ihres Vulkans, zu dem man hinfahren kann (Taxi, Bus, Moped). Wir haben Eier mitgenommen und uns wie Kinder gefreut, als wir sie in Löcher mit heiß ausströmenden Gasen gelegt haben und sie nach 5 Minuten gar waren. Aber auch hier siegt der Tourismus über das Landleben. Zwei schöne Dörfer hoch oben am Kraterrand sind so gut wie verlassen. Die Jugend arbeitet unten am Hafen als Kellner, als Busfahrer, als Verkäufer.
Das Wetter im Oktober – 24 Grad!
Genug von Kultur und Inselbeschreibungen. Wie war denn nun im Oktober das Wetter, wie der Wind? Tagsüber war es sehr warm, meist hatten wir das T-Shirt ausgezogen. Am Ankerplatz ging es oft lange ins Wasser. Schwimmen, Schnorcheln und Tauchen bei ca. 24° Wassertemperatur. Der Wind kam aus wechselnden Richtungen. Von den 14 Tagen hatten wir an 4 Tagen kaum Wind, ansonsten kamen die Winde meist aus SW bis N um 2 bis 5 Beaufort. Also genau das was man im Urlaub braucht.
Wer hier chartern will, findet in den türkischen Häfen Bodrum und Mamaris sowie auf den griechischen Inseln Rhodos und Kos ein großes Angebot an Yachten.
Bei handigem NW Wind sind wir am letzten Tag hoch am Wind in einem Schlag die 35 sm von Nysiros nach Bodrum gesegelt. Ja, wir hatten Glück mit dem Wetter, denn an jedem Tag sagte einer von uns ein kurzes Gedicht auf Poseidon auf und opferte in guter Tradition den ersten Schluck dem Meer und seinem Gott. Das half.
Klaus Hympendahl mit seinem neuen Buch "Yachtpiraterie – die neue Gefahr" ( Foto © JA Geschke)


